Institut für Volkskunde
der Deutschen des östlichen Europa
IVDE Freiburg

 

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde 2016

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde, Band 57 (2016), 216 Seiten, broschiert, 32,00 €, ISBN 978-3-8309-3515-5


Gesundheit und Krankheit bei russlanddeutschen (Spät-)
Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedlern.

Gesundheit und Krankheit sind nicht nur psychische oder physische Erscheinungen. Im Umgang mit Erkrankungen und Wohlergehen spielen auch kulturelle und soziale Faktoren eine wichtige Rolle. Besonders deutlich wird dies, wenn sich Vorstellungen und Verhaltensweisen im Migrationsprozess verändern – wie etwa im Falle der russlanddeutschen (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler. Am Beispiel dieser Gruppe untersuchen Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Disziplinen die Zusammenhänge zwischen Migrationserfahrungen, Konzepten von Gesundheit, Formen des Umgangs mit dem Körper sowie den damit einhergeheden Vorstellungen und Praktiken.

Die Beiträge zum Themenschwerpunkt Gesundheit und Krankheit bei russlanddeutschen (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-) Aussiedlern gehen zurück auf eine Tagung, die 2015 im Rahmen des Projektes GEVERA (Zum Gesundheitsverständnis und -verhalten russlanddeutscher Aussiedlerinnen und Aussiedler) vom Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Freiburg sowie vom Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa, Freiburg, veranstaltet wurde.

Mit Beiträgen von:
Yvonne Adam, Heiko Becher, Miriam Braun, Uta Bretschneider, Eva Bund, Natalia Donig, Elisabeth Fendl, Anna Flack, Klaus Fuhrmann, Stefanie Jost, Tilman Kasten, Sarah Kleinmann, Konrad Köstlin, Werner Mezger, Andrea Anna Muskovics, Jana Nosková, Natalja Salnikova, Ira Spieker, Magdalena Stülb, Tobias Weger, Volker Winkler, Susanne Worbs

Herausgegeben von:

Elisabeth Fendl, Tilman Kasten, Werner Mezger,
Michael Prosser-Schell, Hans-Werner Retterath,
Sarah Scholl-Schneider


 

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde 2015

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde, Band 56 (2015), 256 Seiten, broschiert, 32,00 €, ISBN 9783-8309-3337-3

25 Jahre Erinnerung an das geteilte Europa


2014 jährte sich der Fall des Eisernen Vorhangs zum 25. Mal. Vielerorts traten neben deutsch-deutschen Aspekten des Erinnerns an die Zeit des geteilten Europa auch die historischen Beziehungen Deutschlands zu seinen östlichen Nachbarn in Europa in den Vordergrund. Nationales Erinnern an die Zäsur von 1989 wurde so oftmals in größere europäische, wenn nicht gar globale Zusammenhänge eingebettet. Die Frage nach den Formen, Funktionen, Konsequenzen und Konjunkturen des kollektiven Erinnerns an das geteilte Europa erörtern die in diesem Band versammelten Aufsätze – und zwar mit einem besonderen Fokus auf der Geschichte und Kultur der Deutschen in und aus dem östlichen Europa sowie deren Nachbarethnien.

Der Band „Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volskunde“ vereint Referate, die auf einer 2014 in Mainz von der Kommission für deutsche und osteuropäische Volkskunde (gemeinsam mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz e.V.) veranstalteten Tagung mit dem Titel „25 Jahre Erinnerung an das geteilte Europa. Musealisierung, Medialisierung, Kommerzialisierung“ gehalten wurden. Darüber hinaus informiert der Berichts- und Rezensionsteil über aktuelle Projekte und Forschungen im Bereich der (historischen) Alltagskultur der Deutschen in und aus dem östlichen Europa.

Mit Beiträgen von:
Uwe Baumann, Frank Britsche, Winfried Hecht, David Kovařík, Sandra Kreisslová, Johanne Lefeldt, Regina Löneke, Anna Mańko-Matysiak, Jana Nosková, Michael Prosser-Schell, Hans-Werner Retterath, Hildegard Schmoller, Thomas Schneider, Sarah Scholl-Schneider, Birgit Schopp, Michael Simon, Ira Spieker, Marketa Spiritova, Ágnes Tóth, Matthias Weber

Herausgegeben von:

Elisabeth Fendl, Tilman Kasten, Werner Mezger, Michael Prosser-Schell, Hans-Werner Retterath, Teresa Volk


 

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde 2014

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde, Band 55 (2014), 248 Seiten, broschiert, 32,00 €, ISBN 978-3-8309-3196-6

Aufsätze


Anja Wilde / Wilfried Heller: Zu Hause im ehemaligen Sudetenland – Vorstellungen und Kenntnisse der heutigen Bevölkerung über die Geschichte ihres Siedlungsraumes. Die Bezirke Sokolov / Falkenau und Tachov / Tachau als Beispiele

Hans-Werner Retterath: Arbeitsmigration, Bürgerkrieg und EU-Mitgliedschaft. Baden-württembergisch-kroatische Kommunalpartnerschaften im Wandel.

Henrike Hampe: Die Mutter unterwegs. Zwangsmigration von Frauen in der Rückschau ihrer Kinder

Anna Flack: Tee, Toast, Tiramisu. Identität und Akkulturation im Spiegel der Ernährungspraxis einer jungen Russlanddeutschen

Vasile Ciobanu: „Bist Du Rumäne oder Deutscher?“ – Das Verhältnis der Dobrudschadeutschen zum rumänischem Staat und zur rumänischem Bevölkerung in der Zeit des Ersten Weltkrieges

Gundula Gahlen: Die Dobrudschadeutschen in der Sicht deutscher Kriegsteilnehmer 1916–1918

Thomas Schares: Deutschsprachige Publizistik im besetzten Rumänien 1916–1918 – Beispiele und Tendenzen

Außerdem

6 Berichte und 7 Buchbesprechungen

Herausgegeben von:

Susanne Clauß, Elisabeth Fendl, Tilman Kasten, Werner Mezger, Michael Prosser-Schell, Hans-Werner Retterath


 

Kristina Kaiserová Miroslav Kunštát (Hg.)

Die Suche nach dem Zentrum

2014, Schriftenreihe der Kommission für deutsche und osteuropäische Volkskunde, Band 96, 504 Seiten, broschiert, 42,90 €, ISBN 978-3-8309-3202-4

Die Suchen nach dem Zentrum. Wissenschaftliche Institute und Bildungseinrichtungen der Deutschen in Böhmen (1800–1945)


Im Zentrum des Sammelbandes steht die Geschichte der deutschen Bildungs- und Wissenschaftsinstitutionen in Böhmen zwischen dem Beginn des 19. und der Mitte des 20. Jahrhunderts. Während Prag auch unter schwierigen Umständen das Zentrum der deutschen Wissenschaft in Böhmen war, versuchten auch andere Städte sich zu profilieren. Die damit verbundenen Raumkonstruktionen von Peripherie und Zentrum sowie die entsprechenden nationalen, ethnischen oder konfessionellen Kodierungen des Raums sind Gegenstand der Studien. Im Fokus der Analysen stehen unterschiedliche, oftmals nur wenig erforschte Beispiele wie etwa die Geschichte der Volkskunde in Böhmen, die Umzugspläne für die Prager Deutsche Universität, das Schul- und Volksbildungswesen, Ausstellungen und Bibliotheken wie auch die Konkurrenz zwischen Reichenberg/Liberec, Aussig/Ústí nad Labem und Eger/Cheb bei der Suche nach einem Zentrum „deutscher“ Kultur und Wissenschaft neben der Metropole Prag.

Bei der Publikation handelt es sich um die deutsche Übersetzung eines 2011 in tschechischer Sprache erschienenen Sammelbandes, herausgegeben von Kristina Kaiserová (Leiterin des Instituts für slawisch-germanische Forschung an der Jan-Evangelista-Purkyne-Universität in Aussig) und Miroslav Kunštát (Mitarbeiter am Masaryk-Institut und Archiv der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik)

Mit Beiträgen von

Elisabeth Fendl, Václav Houfek, Milena Josefovičová, Kristina Kaiserová, Miroslav Kunštát, Petr Lozoviuk, Marie Macková, Miloslava Melanová, Alena Míšková, Tomáš Okurka

Herausgegeben von:

Kristina Kaiserová, Miroslav Kunštát


 

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde 2013

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde, Band 54 (2013), 254 Seiten, broschiert, mit einigen Abbildungen, 32,00 €, ISBN 978-3-8309-2820-1

Schwerpunkt: Auf nach Übersee! Deutsche Auswanderung aus dem östlichen Europa


Im 19. und frühen 20. Jahrhundert emigrierten Deutsche, genauso wie Angehörige anderer Nationalitäten, in großer Zahl aus Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa nach Übersee. In der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen machten sie sich über Häfen in Westeuropa auf den Weg in die USA, nach Kanada, Südamerika, Australien oder in die deutschen Kolonien. Nach einer langen Schiffspassage sahen sie sich mit den Einreisebehörden konfrontiert, die über Aufnahme oder Ablehnung entschieden. Für viele dieser Emigranten erfüllte sich dann der Traum vom „neuen Leben“, und so führen heute noch zahlreiche Menschen in den USA und anderen Ländern ihre familiären Wurzeln auf deutsche Auswanderer aus dem östlichen Europa zurück.

Der Band vereint Referate, die auf der Tagung „Auf nach Übersee! Deutsche Auswanderung aus dem östlichen Europa“ im November 2012 in Oldenburg gehalten wurden. Im Rahmen dieser Gemeinschaftsveranstaltung der Kommission für deutsche und osteuropäische Volkskunde und des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa wurden die Motive der Emigranten, der Ablauf der Auswanderung und die lebensweltlichen Konsequenzen ebenso beleuchtet wie die Widerspiegelung von Migrationserfahrungen etwa in Liedern oder biographischen Erzählungen.

Mit Beiträgen von
Ingrid Bertleff, Victor Dönninghaus, Wolfgang Grams, Eckhard John, Konrad Köstlin, Anitta Maksymowicz, Natalja Salnikova, Sarah Scholl-Schneider, Viktorija Sološėnko, Tobias Weger.

Herausgegeben von:

Elisabeth Fendl, Tilman Kasten, Werner Mezger, Michael Prosser-Schell, Hans-Werner Retterath, Teresa Volk


 

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde 2012

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde, Band 53 (2012), 240 Seiten, broschiert, 32,00 €, ISBN 978-3-8309-2722-8

Blickpunkte II – Fotografien als Quelle zur Erforschung der Kultur der Deutschen im und aus dem östlichen Europa


Lange Zeit wurden Fotografien in der Wissenschaft als Dokumentationsmittel von hoher Objektivität gesehen und genutzt, ohne ihren tatsächlichen Quellenwert, ihre Entstehungsbedingungen und ihre möglichen Metainformationen einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Mit der fortschreitenden Verfeinerung der Methoden der Bildquellenanalyse in den letzten Jahrzehnten aber hat sich dies entscheidend geändert: Der sensible Umgang mit dem eben nur vermeintlich objektiven Medium Fotografie ist zu einem zentralen Thema vieler Forschungsrichtungen geworden. Das gilt auch für die Europäische Ethnologie, in der die wissenschaftliche Bearbeitung und Erschließung fotografischer Bestände mehr und mehr an Bedeutung gewinnt.

Der Band vereint Referate zur volkskundlichen Bild- und Fotografieforschung, die auf der Tagung „Blickpunkte II“, einer Gemeinschaftsveranstaltung der Kommission für deutsche und osteuropäische Volkskunde und des Johannes-Künzig-Instituts für ostdeutsche Volkskunde, in Freiburg im Jahr 2010 gehalten wurden. In Fortsetzung des Bandes 52 erörtert also der vorliegende Jahrbuchband weitere Gesichtspunkte des Themas „Fotografien als Quelle zur Erforschung der Kultur der Deutschen im und aus dem östlichen Europa“. Dabei stehen vor allem Fragen der Interpretation von Fotografien im Rahmen größerer Dokumentations- und Auswertungsprojekte im Vordergrund.

Mit Beiträgen von:
Helena Beránková, Sandra Blum, Hana Dvořáková, Jan Iluk, Kristina Kaiserová, Peter Lozoviuk, Marie Macková, Klaus Mohr, Hans-Werner Retterath.

Herausgegeben von:

Hg. von Elisabeth Fendl, Tilman Kasten, Werner Mezger, Michael Prosser-Schell, Hans-Werner Retterath, Teresa Volk


 

Veronika Shumska

"Gott hat die Fremden lieb"

2012, Schriftenreihe der Kommission für deutsche und osteuropäische Volkskunde, Band 95, 194 Seiten, broschiert, 29,90 €, ISBN 978-3-8309-2754-9

"Gott hat die Fremden lieb" Zur Rolle der Frömmigkeitsvermittlung bei Zuwanderern aus der Sowjetunion und Nachfolgestaaten am Beispiel zweier religiöser Gemeinden in Freiburg


Glaubensgemeinschaften, religiöse Bindungen und Frömmigkeitspraktiken spielen in Migrations- und Integrationsprozessen eine erhebliche Rolle. So auch bei Zuwanderern aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. In einem atheistischen System sozialisiert, entscheiden sich nicht wenige von ihnen, nach ihrer Ankunft in Deutschland einer religiösen Gruppierung beizutreten. Dadurch verzeichnen seit etwa dem Jahr 2000 insbesondere russisch-orthodoxe Gemeinden in der Bundesrepublik einen verstärkten Zulauf, wobei sie aufgrund familiärer Konstellationen vermehrt auch russlanddeutsche Mitglieder gewinnen.

Diese empirische Studie untersucht beispielhaft zwei solcher rasch wachsender Gemeinden im Raum Freiburg und beleuchtet dort unter anderem das spannungsreiche Nebeneinander von traditioneller Orthodoxie und einer jungen Erweckungsbewegung, die von einem in den USA lebenden Russlanddeutschen straff organisiert wird, transatlantisch agiert und eine nicht unproblematische Dynamik entwickelt. Die Kernfrage der Arbeit ist dabei, welche Bedeutung Frömmigkeitsstrategien für die Bewältigung des Problems der Fremdheit haben.


 

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde, Band 52 (2011), 246 Seiten, broschiert, mit zahlreichen Abbildungen, 32,00 €, ISBN 978-3-8309-2637-5

Schwerpunkt: Blickpunkte I. Fotografien als Quelle zur Erforschung der Kultur der Deutschen im und aus dem östlichen Europa


Im Zeitalter des „iconic turn“ rückt die Bildquellenanalyse zunehmend in den Fokus ethnologischer Forschung. Neben Text- und Tondokumenten stellen Fotografien den größten Bestand an Zeugnissen der Kultur der Deutschen im und aus dem östlichen Europa dar. Während bei Text- und Tondokumenten Analysen in großem Maße vorliegen, weist die Bildforschung noch immer große Defizite auf, obwohl die Fotografie als Mittel heimat- und volkskundlicher Forschung schon früh erkannt und eingesetzt wurde. Oftmals sind Fotografien auch der einzige Beleg für das Leben vor Flucht und Vertreibung. Neben der Erfassung des Aussagegehalts und des Bildkontexts einer Fotografie spielt zudem die Frage nach deren Authentizität eine wesentliche Rolle, da Fotografien eben nur scheinbar objektive Zeugnisse bzw. Abbilder der Wirklichkeit sind. Was also verraten uns Fotografien über die Kultur der Deutschen im und aus dem östlichen Europa? Die Beiträge des Bandes – Referate einer 2010 in Görlitz veranstalteten Tagung der Kommission zum Thema Bildforschung – beleuchten anhand fotografischer Zeugnisse Kultur und Alltagsleben der Deutschen im östlichen Europa und analysieren, welche Bedeutung das Medium Fotografie als Quelle in diesem volkskundlichen Forschungsbereich trägt. Nicht zuletzt werden auch Methoden und Aspekte der Dokumentation und Archivierung thematisiert.

Mit Beiträgen von

Elke Bauer, Elżbieta Berendt, Magdalena Górniak-Bardzik, Małgorzata Michalska, Malwine Seemann, Marita Krauss, Sarah Scholl-Schneider, Teresa Volk, Theresa Langer, Vladimír J. Horák, Wolfram G. Theilemann

Herausgegeben von:

Elisabeth Fendl, Werner Mezger, Michael Prosser-Schell, Hans-Werner Retterath, Teresa Volk


 

Sarah Scholl Schneider

Mittler zwischen Kulturen

2011, Schriftenreihe der Kommission für deutsche und osteuropäische Volkskunde, Band 94, 280 Seiten, broschiert, 29,90 €, ISBN 978-3-8309-2574-3

Mittler zwischen Kulturen. Biographische Erfahrungen tschechischer Remigranten nach 1989


Nach 1989 konnten viele tschechische Emigranten nach langer Zeit im Westen in ihre Heimat zurückkehren. Doch die Rückkehr gestaltete sich schwieriger als angenommen. Zu vieles hatte sich in der Heimat gewandelt, zu sehr hatten auch sie selbst sich im Exil verändert. Immer wieder schlug ihnen von den Daheimgebliebenen ein Klischee entgegen: „Während wir hier gelitten haben, habt ihr es Euch im Westen gut gehen lassen.“ Die Emigration galt nicht als Plus im Lebenslauf. Dennoch nahmen die Remigranten durchaus Einfluss auf die postkommunistische Entwicklung des Landes. Sie leiteten interkulturelle Transferprozesse zwischen Exil- und Heimatland ein und trugen damit nicht unbedeutend zur Demokratisierung ihrer Heimat bei.

Die Autorin beleuchtet die biographischen Erfahrungen remigrierter tschechischer Eliten auf ihren Wegen zwischen Ost und West auf Basis zahlreicher Interviews. Dabei stehen sowohl die individuellen Alltagserfahrungen der Remigranten als auch die interkulturellen Transferprozesse im Fokus der kulturvergleichenden Analysen. So entsteht ein dichtes und buntes Bild der tschechischen Emigration und Remigration, das zugleich viele Facetten der tschechischen Gesellschaft widerspiegelt.


 

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde

Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde, Band 51 (2010), 288 Seiten, broschiert, mit einigen Abbildungen, 32,00 €, ISBN 978-3-8309-2501-9


Aufsätze

Jana Nosková: „Brin ist nit hin!“ Bilder der „Heimat“ in der Publizistik der vertriebenen Brünner Deutschen Ende der 1940er und in den 1950er Jahren

Leni Perenčević: „Fern vom Land der Ahnen“. Zur Identitätskonstruktion in bosniendeutschen Heimatbüchern

Simon Sahm: Donauschwäbische Sagenbildung in der Vojvodina (1944–1952). Psychologische Aspekte eines narrativen Marienkults

Andreas Seim: Galicnik: Eine Hochzeitsgeschichte als Baustein nationaler und migrantischer Identität

Elisabeth Fendl: Im Gespräch mit Gottfried Habenicht

Außerdem

5 Berichte und 1 Nachruf

Herausgegeben von:

Elisabeth Fendl, Werner Mezger, Michael Prosser-Schell, Hans-Werner Retterath, Teresa Volk


 

Raimund Paleczek

Die Modernisierung des Großgrundbesitzes des Fürsten Johann Adolf II. zu Schwarzenberg.

2008, N.G. Elwert. Schriftenreihe der Kommission für deutsche und osteuropäische Volkskunde,Band 93, ISBN: 3-7708-1326-1. Preis: 29,90 Eur

Die Modernisierung des Großgrundbesitzes des Fürsten Johann Adolf II. zu Schwarzenberg. Beispiel einer deutsch-tschechischen Symbiose in Südböhmen im Neoabsolutismus 1848


Modernisierung und adeliger Großgrundbesitz - das scheinen auf den ersten Blick unvereinbare Gegensätze zu sein. Der Autor belegt in seiner Studie, dass dieses weit verbreitete Deutungsmuster zumindest für die bedeutendste Adelsfamilie des neuzeitlichen Böhmen nicht zutrifft: die Fürsten zu Schwarzberg. Nachdem 1848 der Versuch gescheitert war, Österreichs Monarchie zu reformieren und in einen parlamentarischen Verfassungsstaat umzubauen, wurden die Völker der Reichsteile in einen als "Neoabsolutismus" bezeichneten Winterschlaf versetzt. Dennoch konnte sich das Bürgertum vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet weiter emanzipieren. In einigen Fällen gelang es auch dem großgrundbesitzenden Adel in dieser Zeit, seine Güter betriebswirtschaftlich zu moderniesieren. Eine tragende Rolle kam dabei dem Zusammenwirken von adligem Gutsherrn und seinen Beamten zu. Fürst Johannes Adolph II. zu Schwarzberg verwaltete seinen 180 000 Hektar großen Besitz in Böhmen über ein halbes Jahrhundert mit einer Mischung aus patriachalischen Traditionen und kapitalorientierter, aber sozial verantwortungsbewusster Betriebsführung, in der nationale Auseinandersetzungen keinen Platz hatten. Dieses sozialökonomische Integrationsmodell war von eineinhalb Jahrhunderten erfolgreich und gewinnt vor dem Hintergrund der Identitätskrise sozialer und ökonomischer Machbarkeit an aktuelle Bedeutung.


 

Nadine Bartels

Symbol misslungener Integration?

2007, N.G. Elwert. Schriftenreihe der Kommission für deutsche und osteuropäische Volkskunde, Band 92, ISBN: 3-7708-1316-2 Preis: 19,90 Eur.

Symbol misslungener Integration? Zur ethnischen Kolonie russlanddeutscher Migrantinnen und Migranten in Lahr


"Klein-Kasachstan im Ländle", "Gorki-Park" oder "Russen-Ghetto" - Begriffe, die als Synonyme für die badische Stadt Lahr gelten, eine Stadt, in der annährend jeder Fünfte der 43 000 Einwohner einen russlanddeutschen Migrationshintergrund besitzt. Die Bezeichnungen verweisen auf die große Zahl von Spätaussiedlern, die seit Ende des Kalten Krieges auf der Suche nach einer neuen Heimat in die Stadt am Schwarzwald gekommen sind. Sie verweisen darüber hinaus auch auf die bewegte Geschichte einer ehemaligen Garinsinsstadt und kanadische Nato-Hauptbasis auf dem Weg zu einem Ort, der nun bundesweit als "Aussiedlerstadt" für Aufsehen sorgt und seinen Platz hat in der gesellschaftlichen Diskussion um Integration, Segregation und um die so umstrittene "Parallelgesellschaften".

Auf Grundlagen von Interviews, archivalischen Dokumenten und der Berichterstattung in lokalen und überregionalen Medien wird ein Einblick gegeben in der Entstehungsbedingungen ethnischer Kolonien. Zentral sind dabei die Selbsteinschätzung und Sichtweisen russlanddeutscher Migrantinnen und Migranten. Wie sehen diese Einwanderer intraethnische Strukturen, die vielen als Problem und Integrationshemmnis gelten? Welche Funktionen erfüllen ethnische Kolonien für (Spät-)Aussiedler? Diese und weitere Fragen stehen im Zentrum der empirischen Untersuchung, die sich letztendlich mit der virulenten Frage beschäftigt, ob ethnische Kolonien allgemein als Symbol misslungener Integration verstanden werden können.


 

Elisabeth Fendl

Aufbaugeschichten

2006, N.G. Elwert. Schriftenreihe der Kommission für deutsche und osteuropäische Volkskunde, Band 91, ISBN: 3-7708-1299-8. Preis: 24,90 Eur.

Aufbaugeschichten. Eine Biographie der Vertriebenengemeinde Neutraubling.


Die Studie beschäftigt sich mit der Aufbauzeit der bayerischen Vertriebenengemeinde Neutraublingen in den Jahren 1946 bis 1961. Auf Grundlage biographischer Interviews, archivalischer Quellen und der Berichterstattung in lokalen und regionalen Medien entwickelt die Volkskundlerin Elisabeth Fendl eine eigene Perspektive, aus der sie die Bilder und Topoi analysiert, die im örtlichen Diskurs über diese Zeit weitergegeben werden und sich dabei verändern. Die Autorin zeigt, wie sich Erinnerungen der damaligen Akteure die von schwierigen Verhältnissen geprägte Aufbauzeit anhand verfestigter Erzählmuster in eine Zeit von Leistung und Abenteuer verwandelt. Untersucht wird zudem die Rolle der Traditionen aus der alten Heimaten Böhmen, Schlesien, Ostpreußen, der Batschka usw., von denen man sagt, man habe sie in die neue Heimat mitgebracht. Als solche transferierte Traditionen verstanden, wurden sie zu kulturellen Mustern, die in verschiedenen Phasen der Aufbauzeit in einer je unterschiedlichen (Be-)Deutung aktiviert wurden. Die Frage danach wann man wie mit dem "kulturellen Gepäck" umgegangen ist, wie es sich verändert hat und wie es gesellschaftlich und politisch instrumentalisiert wurde, ist von aktueller Relevanz und regt zum Vergleich mit heutigen Migrationen an.


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