Institut für Volkskunde
der Deutschen des östlichen Europa
IVDE Freiburg
Die Geschichte des IVDE

Der Initiator des Instituts Johannes Künzig (1897 Pülfringen bis 1982 Freiburg) war 1922 in Heidelberg mit einer Arbeit über das badische Volkslied promoviert worden und machte sich mit weiteren Publikationen, etwa 1923 mit der Edition badischer Sagen, einen Namen als Volkskundler. Gegen Ende der 1920er Jahre wandte sich Künzig den sogenannten Auslandsdeutschen zu. Im Rahmen der damaligen Sprachinselvolkskunde, die von der weitgehenden Isolierung der deutschstämmigen Gruppen in Osteuropa ausging, hoffte Künzig bei den Auslandsdeutschen möglichst ursprüngliche Formen der Volkserzählung und des Volkslieds vorzufinden. So bereiste er ab 1930 mehrmals Osteuropa. Aus diesen Reisen entstanden volkskundliche Monografien und Bildbände, aber auch Filme und Tonaufnahmen, von denen die meisten noch im Institut archiviert sind. Daneben betreute Künzig das von ihm aufgebaute badische Volksliedarchiv und engagierte sich in der angewandten Volkskunde. 1937 erhielt er, im Hauptberuf Gymnasiallehrer, eine Professur an der Hochschule für Lehrerfortbildung in Karlsruhe. Von 1942 bis 1945 vertrat er kommissarisch das Fach Volkskunde an der Universität Freiburg. Bei einem Bombenangriff auf Freiburg im November 1944 wurden die Räume der im Aufbau befindlichen Abteilung Volkskunde der Universität zerstört, wobei Künzig den größten Teil seiner Forschungsmaterialien verlor. Nach 1945 schloss die französische Besatzungsmacht das Fach Volkskunde an der Freiburger Universität wegen dessen Nähe zum Nationalsozialismus. Stellenlos geworden, arbeitete Künzig ab 1947 als Flüchtlingsreferent bei der Caritas, wo er bereits 1923 in der Pressestelle tätig gewesen war.

1964 konnte Künzig erwirken, dass seine Einrichtung als „Institut für ostdeutsche Volkskunde" in die Trägerschaft des Landes Baden Württemberg übernommen wurde. Seitdem untersteht das Institut dem Innenministerium Baden Württemberg und wird von diesem finanziert. 1970 übergab Künzig die Leitung des Hauses an seine langjährige Mitarbeiterin und Ehefrau Waltraut Werner Künzig, blieb aber der Vertriebenenforschung eng verbunden. Als Würdigung seines Lebenswerks wurde das Institut 1983 nach seinem Gründer „Johannes Künzig Institut für ostdeutsche Volkskunde“ umbenannt. 1985 wuchsen dem Institut auch die Bestände der vormaligen Forschungsstelle Karasek zu. Nach dem Ausscheiden von Waltraut Werner Künzig fungierte Gottfried Habenicht von 1989 bis 1996 als kommissarischer Leiter des Hauses. Zwischenzeitlich hatte Peter Assion, Lehrstuhlinhaber am Institut für Volkskunde an der Universität Freiburg, vom Herbst 1993 bis zu seinem Tode im Frühjahr 1994 die Leitung inne. Seit 1996 ist Werner Mezger, ebenfalls Inhaber einer Professur an der Universität Freiburg, Institutsleiter.

Räumlich war das „Johannes Künzig Institut“ bis 1992 im Privathaus des Ehepaars Künzig untergebracht. Danach wechselte es, nicht zuletzt aufgrund der enorm gewachsenen Bibliothek und der vergrößerten Sammlungen, in ein größeres, landeseigenes Gebäude im Freiburger Stadtteil Wiehre in der Silberbachstraße 19. Seit Oktober 2005 befindet es sich in der Goethestaße 63 in einem geräumigen Jugendstilgebäude, in dem übrigens während ihrer Freiburger Zeit auch einmal die 1942 in Ausschwitz ermordete jüdische Philosophin Edith Stein gewohnt hat.

Seit 2013 trägt unsere Einrichtung den Namen „Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa“ (IVDE). Diese Bezeichnung bildet die heutigen Forschungsfelder des Hauses, die weit über die ursprünglichen Forschungsintentionen Künzigs hinausgehen, besser ab als der vormalige Institutsname, in dem nicht zuletzt auch der Terminus „ostdeutsch“ irritierte, der mittlerweile mit den neuen Bundesländern und nicht mehr mit den ehemaligen Vertreibungsgebieten konnotiert wird.

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