Institut für Volkskunde
der Deutschen des östlichen Europa
IVDE Freiburg
Vertriebenendenkmale
„Kreuz des deutschen Ostens“ mit Gedenksteinen zu den „ostdeutschen“ Provinzen bzw. Landsmannschaften, Bad Harzburg

Im Vertriebenenbereich existiert eine enorme Vielfalt von Denkmalen im weitesten Sinne: Kunstdenkmale (z.B. Gedenksteine bis hin zu Bildstöcken), Wegweiser mit „ostdeutschen" Ortsangaben, Heimaterde, Straßennamen „ostdeutsche" Städte, Trachten, Nahrungsmittel, Heimatblätter und -bücher oder Heimatstuben. Angesichts dieser Vielzahl liegt dem Projekt ein enger Denkmal-Begriff zugrunde, der sich auf Klein(kunst)denkmale wie Gedenkkreuze, -steine und Wegweiser konzentriert.

Denkmale sind immer in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext zu untersuchen. Das gilt sowohl für die Form als auch den Inhalt. Etwa wurden Ende der 1940er-Jahre zuerst Kreuze aufgestellt, während Gedenksteine oder Wegweiser erst später errichtet wurden. Über die Erinnerungsfunktion an Flucht oder Vertreibung hinaus spiegelt sich in den Denkmalerrichtungen zum einen der Versuch einer geographischen und kulturellen Beheimatung. Zum anderen sticht ungleich stärker mit dem Opfer-Narrativ ein bestimmtes Geschichtsbild hervor, dessen öffentliche Akzeptanz infolge der Auschwitzprozesse und der „Ostverträge“ schwand.

Sind damit schon einige Projektergebnisse benannt, so wurde des Weiteren der Vorlauf und die Einweihung bestimmter Denkmalsetzungen im Südbadischen aber auch eines Pilot-Denkmals, nämlich des „Kreuzes des deutschen Ostens“ bei Bad Harzburg, untersucht. Damit ist auch die Beleuchtung der Integration in die einschlägige Feiertagskultur verbunden, wobei der Denkmalbesuch eine ritualisierte Form annehmen kann. Hierbei finden sich Antworten auf Fragen nach dem Bedürfnis nach Denkmalen, ihrer Initiierung, Ausgestaltung, Nutzung und Befürwortung oder Ablehnung. Themen wie Vorläufer-Denkmale oder das Evozieren eines Denkmals über mündliche (Erzählung, Reden etc.) und schriftliche Hinweise (Berichte, Gedichte usw.), aber auch Abbildungen (Zeichnungen, Fotos, Ansichtskarten etc.) und andere Erinnerungsträger (z. B. Aufkleber, Plaketten) sollen die künftige Forschung bestimmen

Texte

Hans-Werner Retterath: Geschichtsbilderkampf und zwiespältige Beheimatungsversuche - Vertriebenendenkmale in Südbaden. In: Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde 47 (2005), S. 83–121.

Ders.: Gedenkstein und Wegweiser. Zur Symbolik von zwei Vertriebenendenkmalen in Lörrach / Südbaden. In: Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde 48 (2006), S. 1–33.

Ders.: Das "Kreuz des deutschen Ostens" bei Bad Harzburg. Ein zentrales Vertriebenen-Mahnmal als Ausfluss von Abendland-Ideologie, Kriegerdenkmalskult und völkischer Schutzarbeit. In: Acta Ethnologica Danubiana, 13 (2011), S. 67–100.

Ders.: Die Inszenierung eines Denkmals auf Ansichtskarten – dargestellt am Beispiel des "Kreuzes des deutschen Ostens" bei Bad Harzburg. In: Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde, 53 (2012), S. 7–35.

Bearbeiter: Hans-Werner Retterath
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