Institut für Volkskunde
der Deutschen des östlichen Europa
IVDE Freiburg
 
Quartalston 2/2019

Das Maibaumreißen in Gant/Gánt

Im hier präsentierten Tonbeispiel erinnert sich die 1903 geborene Mary/Marie Herchenröder, die in Gant/Gánt aufwuchs, an das Maibaumaufstellen und das Maibaumfällen in diesem Ort im ungarischen Schildgebirge.

Sie beschreibt das von den Burschen des Ortes übernommene Aufstellen mehrerer von den Mädchen geschmückter („aufgeputzter“) Maibäume. Diese wurden den Honoratioren, dem Pfarrer, dem Lehrer, dem Notar und dem Wirt, gesetzt. Am Pfingstmontag zog die Dorfjugend durch den Ort und fällte die Maibäume („Maibaumreißen“). Mit dem von den Maibaumbesitzern erhaltenen Geld wurde bis zum nächsten Morgen im Wirtshaus gefeiert.

Die blinde Mary Herchenröder und ihre ebenfalls blinde Schwester Lina wurden von mehreren Volkskundlerinnen und Volkskundlern befragt und zählen – ihrer guten Stimmen und ihrer Erzählkunst wegen – zu den in Erzählforscherkreisen immer wieder zitierten „Gewährspersonen“.

Tonarchiv des IVDE, Band 306, aufgenommen am 31.03.1958 in Hoheneiche bei Eschwege.

Quellen:
Cammann, Alfred/Karasek, Alfred: Ungarndeutsche Volkserzählung. Aus deutscher Siedlung im altungarischen Raum, Teil 1 (Schriftenreihe der Kommission für ostdeutsche Volkskunde, Band 26), Marburg 1982.
Johannes-Künzig-Institut für ostdeutsche Volkskunde: Legendenlieder – ein Repertorium unserer Tonaufnahmen, Freiburg 1977.
Künzig, Johannes/Werner, Waltraut: Ungarndeutsche Märchenerzähler II: Die „Blinden Madel“ aus Gánt. Drei Langspielplatten mit Textheft. Authentische Tonaufnahmen 1958 und 1960, Freiburg 1971.

Tonarchiv: Dr. Elisabeth Fendl
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